...filmmaker's notes

 

Es war eine Reise, die fast unbemerkt an den westlichen Medien vorbeizog. Eine Konzertreise des legendären Miles Davis Saxophonisten Bill Evans quer durch Sibirien. Die Musik brachte zum Vorschein, was gerade in Zeiten politischer Spannungen immer seltener vorkommt: Sie erreichte die Seele der Menschen, die zum Teil noch nie etwas von amerikanischem Rock/Soul/Jazz gehört haben.

 

Die Bedeutung dieser Reise ahnend, beauftragte Bill Evans den Kölner Filmemacher Christoph Felder, die Konzerttour mit der Kamera festzuhalten. So filmte Felder den abenteuerlichen zweiwöchigen Trip, der bis an die mongolische Grenze ging und zu atemberaubenden Aufnahmen führte.

 

Bill Evans, der seit Jahrzehnten auf der ganzen Welt spielt, ob mit den Rolling Stones, Herbie Hancock oder Willie Nelson, und der schon viele Kulturkreise kennenlernte, ist von dieser „Russian Tour“ tief beeindruckt. Er sagt, gerade jetzt, wo die aktuellen Spannungen zwischen den USA und Russland bestehen, sei es wichtig zu den Leuten hinzugehen. Das diese Tour von der amerikanischen Botschaft gesponsert wurde, sieht er dabei gelassen. Entscheidend ist, was bei den Menschen ankommt.

So kamen dann auch fast 80jährige Russen viele Kilometer zu Fuß, zu den fast immer ausverkauften Konzerten, „um diese seltsame, amerikanische Band zu sehen“ von deren Namen sie noch nie in ihrem Leben hörten. In Ulan Ude schließlich, östlich von Ural und Baikalsee treffen die Alten auf die junge Generation, so um die sechs, sieben Jahre alt, mit denen sie gemeinsam die Tanzfläche stürmen, um diese groovigen Rhythmen in sich aufzunehmen und wild zu tanzen. So ist es nach Evans’ Ansicht denn auch der „Groove“, den die Leute immer wieder suchen und der die Menschen, ganz gleich ihrer Nationalität verbindet. Filmemacher Felder will denn auch damit seinen Film überschreiben und zeigen, was diesen Groove eigentlich ausmacht.

 

In Irkutsk kommt dann noch Igor Butman dazu, wohl der bekannteste russische Saxophonist, der durchaus eine Art Sonderbotschafter dieser Russian Tour sein könnte, ausgestattet mit russischem und amerikanischen Pass und auf beiden Bühnen zuhause. Butman und Evans geben dort eine gemeinsame Pressekonferenz mit viel örtlicher Kulturprominenz, in der die beiden Freunde vor allem über die Fotos auf dem Handy tuscheln. Evans: Igor hat direkten Zugang zu Putin, er wird im Kreml nicht kontrolliert.

 

Es ist eine spannende Reise mit alten, teilweise klapprigen Tourbussen, den amerikanischen Musikern Murali Cornell, Dave Anderson, Mitch Stein und Joel Rosenblatt. Mit Roadmovie-Feeling auf endlosen Strassen, riesigen Schlaglöchern, der legendären Transsibirischen Eisenbahn und der hier unbekannten „Siberian Air“. Die russische, weite Landschaft zeigt ein inspirierendes, neues Gesicht und amerikanischem Soulgrass-Sound. Auf der Fahrt von Togliatti nach Samara bekennt eine Mitfahrerin: „Euer Auftritt ist das Highlight in meinem Leben. Ich weiss, ihr werdet nie wieder zu uns kommen, auch wenn wir den Glauben daran nicht verlieren werden.“

Bleibt am Schluss noch der Auftritt in der amerikanischen Botschaft im berühmten Moskauer Spaso-House, in dem schon Arthur Rubinstein auf dem Flügel in edlem Ambiente verzauberte. Dem BotschafterJohn Tefft redet Bill Evans dann noch ins Gewissen. „Sag deinem Chef, in Zeiten der Spannungen, wir haben die Herzen der Menschen erreicht, wir haben es getan.“

 

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